„Wir sind unendlich stolz“
Dass mit der evangelisch-methodistische Friedenskirche erstmals auf einer baden-württembergischen Landesgartenschau ein Gotteshaus direkt am Gelände liegt, ist zugleich Glücksfall und Verpflichtung. Gilt es doch, ihr geräumiges Untergeschoss während des Großereignisses als adäquaten Ausstellungsort zu inszenieren.
Nicht einfach, wenn man sich neben einem einzigartigen Projekt noch einem weiteren widmet. Denn es besteht die Gefahr, dass Ersteres immer seine Schatten über Letzteres wirft. So hätte es der ökumenischen Initiative „Kirchen auf der Landesgartenschau“ gehen können: Ihre „Wachsende Kirche“ aus Lindenbäumen und einem mit Weiden geflochtenen Zaun wird als europaweit einmaliger Ort des Glaubens in die Geschichte der baden-württembergischen Landesgartenschauen eingehen; daneben heißt es aber auch, ein Gotteshaus zu „bespielen“, das direkt am Gelände liegt und von dort aus unmittelbar zugänglich ist. „Von Beginn an war es unsere Philosophie, in der Friedenskirche eine gleichwertige Qualität zur ‚Wachsenden Kirche‘ zu schaffen“, erklärt Dekan Ralf Albrecht, Vorsitzender der Kirchen auf der Landesgartenschau. Und verkündet: „Mit dem Programm, das wir unter der Leitung von Dr. Jonathan Whitlock auf die Beine gestellt bekommen, können wir diesbezüglich mehr als zufrieden sein.“
Viele Beiträge sind während der Landesgartenschau im Gebäude in der Freudenstädter Straße 50 zu sehen. Zwei davon ragen besonders heraus. Unter dem Titel „Unterwegs für’s Seelenheil“ geht es vom 17. Juni bis 5. August um die Tradition des Pilgerns – „ein Thema, das spätestens seit Hape Kerkeling in der Gesamtheit der Gesellschaft angekommen ist“, so Dekan Ralf Albrecht. Mit interaktiven, multimedialen Elementen werden in vergleichender Weise Pilgerrituale in den Weltreligionen erlebbar gemacht, dabei alle Sinne angesprochen. Die Wanderausstellung des Verkehrszentrums des Deutschen Museums (München) war bereits in Trier, Stuttgart und anderen großen Städten – und hat dort regelrecht für Furore gesorgt.
Das zweite Kleinod ist die „Große Ikonenausstellung“ vom 7. September bis 7. Oktober. Sie zeigt einen Ausschnitt aus der Sammlung von Prof. Reiner Niethammer aus Mötzingen. Bei der Beschreibung gerät Dekan Ralf Albrecht regelrecht ins Schwärmen: „Es handelt sich um eine der beeindruckendsten Sammlungen in Süddeutschland, mit klassischen, aber zum Teil auch höchst ungewöhnlichen, seltenen Motiven – manche Exponate haben einen Einzelwert von 30.000 Euro. Die Ausstellung zu betreten ist, als ob sich hinter einer Tür eine völlig neue Welt auftut.“
So wird die Friedenskirche also nicht zum Stiefschwesterchen der „Wachsenden Kirche“, sondern bildet mit ihr ein „kongeniales Duo“. „Wir sind unendlich stolz“, unterstreicht Dekan Ralf Albrecht, „dass es uns gelingt, bei beiden Projekten höchste Qualität zu erzielen.“ Aber nicht nur die Wertigkeit erfüllt den Geistlichen mit Freude – auch der moderne, offene Ansatz ist für ihn von Bedeutung. Will heißen: „Wir sprechen Themen an, die nicht nur binnenkirchlich interessant sind, sondern die alle Menschen tief berühren und bewegen.“

